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Historische Führungen
durch die Sankt-Marien-Andreas-Kirche
in Rathenow
mit Bischof Dr. Stephan Bodecker
(alias Dr. Heinz-Walter Knackmuß)

 

 

 

Der  Förderkreis bietet seit 2016 Historische Führungen durch die Sankt-Marien-Andreas-Kirche mit Bischof Bodecker an. Der Bischof von Bandenburg, Dr. Stephan Bodecker, wurde am 15.11.1384 in Rathenow geboren und war ein hoch gelehrter Diplomat, dessen Rat viele Fürsten gern in Anspruch nahmen. Er hatte auch ein hebräisches Lexikon herausgegeben. Am 15.02.1459 starb er im Dom zu Brandenburg, wo noch heute eine Grabstele an ihn erinnert. Er wurde 74 Jahre alt, was für die Zeit doch erheblich war. Neben Rosemarie Köhn, der Bischöfin von Hamar, in Norwegen, die am 20.10.1939 in Rathenow geboren wurde, war das der einzige Bischof, der in Rathenow geboren wurde. Es ist schon etwas Besonderes, wenn in der 800jährigen Geschichte der Stadt Rathenow nur zwei Bischöfe aus ihr hervorgingen. Auch Rosemarie Köhn hat eine Vorliebe für das Hebräische, denn sie gab eine Hebräische Grammatik für alle Studenten in ganz Skandinavien heraus. Sie hatte im April 2017 erst ihre Geburtsstadt besucht. Dr. Heinz-Walter Knackmuß war zur 800-Jahrfeier der Stadt Rathenow beim Festumzug begleitet vom Herold, Jürgen Scharein, und vom Mönch, Gerd Ostermann, in das Gewand des Bischofs Dr. Stephan Bodecker geschlüpft und bietet seither "Historischen Führungen" durch die Kirche an.

Wenn Sie eine historische Führung mit dem

Bischof Dr. Stephan Bodecker

wünschen, rufen Sie an:

Tel:03385-5200224

Kunstkalender im Eigenverlag

Herausgeber Dr. Knackmuß


2020

1. Weihnachten 2020

Durch die Coronapandemie 2020 hatten wir keinen Besuch zu Weihnachten. Auch im Advent, wo wir sonst immer recht viel Kaffeegäste besonders beim Lebendigen Adventskalender der Kirchengemeinde hatten, war alles abgesagt worden. Auch die Arbeiter aus Lettland in unserer Ferienwohnung waren alle nach Hause gefahren. Nur ein 29-jähriger junger Lette blieb da,warum auch immer. Ich sagte zu Viola: "Siehst Du, da schenkt uns Gott doch einen Gast. Den lade ich natürlich zum Heiligabend und am 1. Feiertag zum Essen ein." Er sagte auch zu und wir freuten uns. Viola machte Kartoffelsalat ich kochte eine Tomatensuppe und dann wurde die Gans gebraten und BIO-Rotkraut mit Äpfeln und Lorbeerblatt und Nelken verfeienert. So hatten wir unser Tun. Unser Freund Farooq Naimi hatte seine zwei Töchter  Negar (11) und Neda (6) zu Besuch, weil seine geschiedene Frau mit ihrem Freund etwas unternehmen wollte. Ich fragte ihn: "Willst Du nicht Heiligabend zu uns kommen? " "Ja, gerne,"sagte er und  so feuten wir uns doch auf das Weihnachtsfest. Ich packte für unsere Gäste kleine Weihnachtsgeschenke zusammen, meist Sußigkeiten und Viola kaufte für die beiden Mädchen kleine Plüschtiere zusätzlich. Als wir aber zur Christvesper in die Sankt-Marien-Andreas-Kirche fuhren, fehlte der lettische Gast. In der Kirche waren Farooq mit seinen Töchern schon da und wir saßen in der ersten Reihe, denn ich wollte alles mit der Filmkamera aufzeichnen. Dann fuhren wir in die Röntgenstraße 13 und das Abendessen begann. Zuerst die Tomatensuppe. Die war mir mal gelungen und die Mädchen aßen zwei Teller davon. Geflügelbockwurst aßen sie auch, aber Kartoffelsalat war nicht so ihre Sache, aber es gab ja ausreichend Brot, Butter Käse und Wurst. Nach dem Essen gingen wir in das Weihnachtszimmer, wo der mit roten Kugeln geschmückte Weihnachtsbaum stand. Farooq zog sich eine Lederweste an und setzte sich einen schwarzen Hut auf und ich zog mein Bischofsgewand an und dann kamen wir als Nikolaus und Knecht Ruprecht zurück und überreichten an Viola und die Kinder kleine Geschenke. Alle mussten ein Lied singen, oder ein Gedicht aufsagen oder eine Geschichte erzählen. Das war ein Hallo. Die Kinder konnten nur "Oh Tannenbaum" singen und erzählten das Märchen von Schneewittchen. Es war ein lustiger Abend. Um 22:00 Uhr fuhr ich Farooq mit seinen Töchtern nach Haus.


Dr. Heinz-Walter Knackmuß (Nikolaus) Negar, Farooq Naimi (als Knecht Ruprecht) und Neda in der Röntgenstraße 13 am 24.12.2020. Am 1. Weihnachtstag, 25.12.2020, fielen die Gottesdienste wegen Coronapandemie aus und Farooq Naimi kam mit seinen zwei Töchtern zum Mittagessen. Es gab wieder Tomatensuppe, Gänsebraten, Rotkohl und Klöße. Als Nachtisch gab es Mandarinenkompott. Die Kinder haben sich an die Tomatensuppe gehalten. Gänsebraten und Klöße waren nicht so ihr Ding. Ich hatte am Nachmittag Aufsicht in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche und es kamen viele Menschen, um die 84 Weihnachtskrippen zu bewundern. Am 2. Weihnachtsfeiertag kam Jörg aus Berlin zum Essen und es gab Reste der Gans, Klöße und Rotkohl. Jörg hatte seine Querflöte mitgebracht und wir spielten zusammen Weihnachtslieder.

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Macht hoch die Tür, die Tor macht weit




Leise rieselt der  Schnee



 

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Es ist ein Ros`entsprungen



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Süßer die Glocken nie klingen




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Stille Nacht, heilige Nacht



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Auf dem Berge, da wehet der Wind


Es war ein sehr inniges Weihnachtsfest 2020. Trotz Coronapandemie fanden wir es sehr gesellig und lustig. Unser lettischer Gast hatte wohl einen Intimfreund in Rathenow gefunden und so war es nicht verwaunderlich, dass er das Fest und die Tage bis zum Neujahr mit ihm verleben wollte.


Copyright: Dr. Heinz-Walter Knackmuß, 26.12.2020







Die Geschichte des Turms
der Sankt-Marien-Andreas-Kirche
in Rathenow

Das Wahrzeichen der Stadt Rathenow ist die Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Was wäre eine Kirche ohne ihren Turm, der von allen vier Himmelsrichtungen gut zu erkennen ist und den Menschen die nahe Heimat kündet. Diese Geschichte des Turms soll hier, so gut es geht nachgezeichnet werden. Die älteste Ansicht von der Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist auf dem Epitaph (Totengedenktafel) des Stadtschreibers Nesen  von 1571 zu sehen. Die Kirche hatte eine völlige andere Form.

 

Älteste Stadtansiche von Rathenow von 1571
1604 wurde vermutlich die Turmhaube erneuert. Die Turmhöhe betrug 38,92 m (124 Fuß).
1709 wurde mit dem Dachstuhl der Kirche auch die Turmspitze wegen Baufälligkeit abgetragen und so belassen. 1727 wurde der Turm teilweise abgetragen und höher wieder aufgebaut. Die Gesamthöhe des Turms betrug 56,49 m (180 Fuß).   1816 hatte der Turm wieder einen Umbau nötig. Bald zeigte der Turm der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erneut starke Risse, die trotz Verankerung von 1816 nicht zu beheben waren.
2. Neugotischer Turm  von Carl Wilhelm Redtel                                                (*1824- †1828)
Stadtbaurat Perl sollte deshalb 1821 den Turm vermessen und alles für einen Neubau vorbereiten. Der berühmte Baumeister Friedrich Schinkel wurde mit einem Entwurf beauftragt. Friedrich Schinkel lieferte den Entwurf einer ganz neuen Kirche mit dazu passendem Turm, der aber nicht die Zustimmung des Magistrats fand.

Schinkels Entwurf für die
Sankt-Marien-Andreas-Kirche
Schinkel war tief enttäuscht.  Statt dessen wurde der Entwurf des Regierungsrates Carl Wilhelm Redtel genommen und bis 1828 fertig gestellt. Baurat Carl Wilhelm Redtel, der einen neugotischen Entwurf des Turms eingereicht hatte, war ein Schüler von Friedrich Schinkel. Schinkels Verärgerung kann man gut verstehen, denn man hatte einem Schüler von ihm den Vorzug gegeben. 1824 wurde mit dem Bau begonnen und 1828 war der neue Turm in seiner zum Schiff passenden Gestalt aufgebaut. An der Nordseite des Turms stand am Fuß eine Inschrift: Fischer MDCCCXXIII. Die lateinische Zahl bedeutet 1823.
Als das vergoldete Kreuz über der Kugel auf der Kirchturmspitze fertig war, stellte sich der Rathenower Maurermeister auf das Kreuz und breitete die Arme aus.  Die alte Mutter, die wie gewöhnlich morgens einen Blick auf den Kirchturm richtete, sah ihren Sohn auf dem Kreuz stehen, erlitt einen Schock und war mehrere Wochen krank..
Neugotischer Turm nach
Entwürfen von
Carl Wilhelm Redtel

Bis zur Zerstörung der  Kirche im Jahr 1945 blieb dieser neugotische Turm mit den Fialen, die ihn nochschlanker machten weithin sichtbar das Wahrzeichen der Stadt Rathenow.
3. Der Wiederaufbau des Turms 1999 – 2002
Erst nach der Einheit Deutschlands  im Jahr 1990 war überhaupt daran zu denken, den Turm wieder aufzubauen. 1995 hieß es noch in einer Rathenower Zeitung, der Turm und die Kreuzgewölbe der Sankt-Marien-Andreas-Kirche würden nie wieder aufgebaut.
3.1. Ruine nach der Zerstörung 1945
Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt Rathenow und ihr Turm begrüßt die Besucher der Stadt, aus welcher Himmelsrichtung sie auch immer anreisen. Die Rathenower freuen sich, wenn sie den Turm wiedersehen, denn er bedeutet ein Stück Heimat für sie. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm von Brandgranaten getroffen. In der Brandnacht am 28. zum 29.04.1945 wurde auch der Turm völlig zerstört. Es blieb nur noch eine Ruine stehen.
Turmruine 1945
3.2. Abtragung des Obergeschosses des Turmes 1972
1972 musste der Turmhelm wegen Baufälligkeit abgetragen werden. 1990 bot sich noch ein Bild des Jammers. Aus dem Chorraum wuchsen Bäume und das notdürftig gedeckte Kirchendach war undicht und Regen und Nässe hatten schon die Balken im Nordteil des Schiffes zerstört. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Kirche in sich zusammen fallen würde.
Sankt-Marien-Andreas-Kirche
1990
Bis 2002 war die Turmruine  35 m hoch. Die Kirchengemeinde hatte auf dem Turmstumpf eine Aussichtsplattform eingerichtet und die Besucher konnten den Turm besteigen.
Turmtorso seit 1972
Die Turmspitze hatte vor der Zerstörung eine Höhe von 79 m.
3.3. Der Wiederaufbau des Turms 1999 - 2002
Der Wiederaufbau des Turms kostet ca. 2,5 Millionen € wurde von 1999 bis 2002 durchgeführt. Die ganze Bevölkerung war daran beteiligt, ob evangelisch, katholisch, atheistisch oder kirchenfern.
3.3.1. Grundsteinlegung am 28.05.2000
Am 28.05.2000 fand in Gegenwart des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe, die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Turms statt. Der Ministerpräsident Dr. Stolpe, der Bürgermeister der Stadt Rathenow, Hans-Jürgen Lünser, der geschäftsführende Pfarrer, Andreas Buchholz und der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V., Dr. Heinz-Walter Knackmuß, legten die Hände über den Grundstein und  Dr. Knackmuß sprach die Worte aus Amos 9,11: „Zur selbigen Zeit will ich die zerfallne Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Lücken verzäunen und was abgebrochen ist, wieder aufrichten, und will sie bauen, wie sie vor Zeiten gewesen ist“.
Grundsteinlegung 28.05.2000
(von links: Dr. Heinz-Walter Knackmuß, Bürgermeister Hans-Jürgen Lünser, Ministerpräsident Dr. Manfred Stolpe, Pfarrer Andreas Buchholz)
3.3.2. Das Aufbringen der Kirchturmspitze
Der Aufbau des Turms erfolgte gleichzeitig an zwei Orten. Am Turm selbst wurde das 1972 abgerissene Stockwerk wieder aufgemauert und auf dem Sportplatz am Schwedendamm erfolgte die Montage der drei Teile der Spitze.
(von links: Peter Kurth, Renate Assmann, Rolf-Eberhard Meier, Günter Holweger, Dr. Karin Gebert und Christine Holweger auf dem neu aufgemauerten Teil des Turmes)
Nach der Fertigstellung Kupferkollosse waren sie das Ziel eines unendlichen Pilgerstroms von Rathenowern, die die Spitze aus der Nähe betrachten wollten. Sie nahmen sie buchstäblich mit Augen und Händen in Besitz.
Turmspitze, Turmbasis und Turmmittelstück
vormontiert auf dem Sportplatz „Schwedendamm“
3.3.2.1 Das Basisteil von 5,8 t wird am 28.08.2001 aufgesetzt
Am 28. August 2001 wurde das Basisteil des Helms durch einen Hubschrauber nach drei gescheiterten Versuchen auf den Turm abgesetzt. Hunderte von Schaulustigen hatten sich in der ganzen Stadt versammelt, um das Schauspiel zu verfolgen. Als der Hubschrauber dreimal wegen Sturm und Regen scheiterte und alle das 5,8 t schwere Stück über ihren Köpfen schweben sahen, erfasste die meisten Menschen eine Schauer. Es war spannend wie ein Kriminalfilm. Um 16:45 Uhr war dann alles geschafft. Der erste Teil des Helms befand sich auf dem Turm.
28.08.2001
Hubschrauber der Bundeswehr setzt das
Basisteil (5,8 t) der Turmspitze auf
3.3.2.2. Mittelteil der Turmspitze von 4,8 t wird 04.09.2001 aufgesetzt
Wenn der Hubschrauber der Bundeswehr über dem Kirchberg schwebte, war Volksfeststimmung in Rathenow. Groß und Klein wollten diesen wichtigen Teil des Wiederaufbaus des Wahrzeichens der Stadt Rathenow nicht verpassen. Mit Kameras und Ferngläsern verfolgte man das grandiose Schauspiel. Tüchtige Straßenhändler boten Bratwurst und Bier rund um den Kirchberg an. Die besten Fensterplätze um die Kirche waren schon tagelang vorher ausgebucht. Am 04.09.2001 konnte der Hubschrauber das Mittelstück der Turmspitze vom Sportplatz am Schwedendamm aufnehmen und auf den Kirchturm bringen. Es wog 4,8 t.
Hubschrauber setzt das
Mittelstück der Turmspitze 84,8 t) auf
04.09.2001
3.3.2.3. Die Spitze des Turms mit 2,5 t wird am 17.09.2001 aufgesetzt
Das oberste Teil der Spitze wog 2,5 t und war der schwierigste Part für die Hubschraubercrew, denn der pilot flog blind und musste sich bei der Steuerung der schweren Teile auf seine zwei Copiloten verlassen. Bei der Spitze mit vergoldetem Kreuz und vergoldeter Kugel wollte und wollte das Aufliegen nicht gelingen, der es warein Kaiserstil in eine Öffnung des Mittelteils einzufädeln. Erst als man den Piloten mit einem hochgefahrenen Kran eine Oreintierungshilfe gab, gelang das Aufsetzen in weinigen Minuten. Am 17.09.2001 war dann die Spitze aufgesetzt und die wichtigsten Bauarbeiten geschafft. Das vergoldete Kreuz ist 2,80 m hoch und 1,60 m breit. Der Durchmesser der Kugel beträgt 1,40 m. Insgesamt wurden 185 g Gold bei der Vergoldung aufgetragen. Auf der Spitze steht wieder eine vergoldete Kugel (Knauf) und das vergoldete Kreuz. In die Kugel wurden die Satzung und ein Mitgliederverzeichnis des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche  in Rathenow e.V. sowie eine Silber- und Goldmünze gegeben. Die Münzen hat der Förderkreis prägen lassen. Sie zeigen auf der Vorderseite die Sankt-Marien-Andreas-Kirche und auf der Rückseite den Begründer der optischen Industrie in Rathenow, den Pfarrer Johann Heinrich August Duncker.  Die Kupferplattengröße der Turmspitze reicht von 0,4-1 m Quadratmetern. Das Kupfer wird durch die Oxidation mit der schwachen Kohlensäure aus dem Regen im Laufe der Jahre einen grünlichen Farbton bekommen - die so genannte Patina. Chemisch ist das Kupferkarbonat, teilweise auch Kupfersulfat, und wird frühestens nach 10 Jahren sichtbar. Es ist ungiftig. Meine Großmutter, Agnes Knackmuß, die noch die Zeit des Kupfergeschirrs und der Kupferkessel kannte, warnte uns Kinder immer vor dem giftigen Grünspan. Der bildet sich, wenn Kupfer mit Essig reagiert. Das giftige Kupferazetat war sehr gefürchtet, weil man den Essig nicht nur zum Würzen der Speisen benutzte, sondern auch als Universalreinigungsmittel.
Aufsetzen der Spitze (2,5 t)
17.09.2001
Die Aussichtplattform ist 51 m hoch. Die Turmspitze erreicht eine Höhe von 75,40 m.
Die Fertigstellung des Turms konnte aber erst 2002 gefeiert werden, weil die einzig erhaltenen Türkenglocke am 18.10.2001 nach Nördlingen in Bayern zur Reparatur gegeben werden musste und erst im Frühjahr 2002 zurückkam. Damit war der Wiederaufbau des Turms 57 Jahre nach seiner Zerstörung vollendet. Am 29.06.2002 konnte dann mit der reparierten Türkenglocke von 1400 in einem Festgottesdienst der Turm als wieder aufgebaut gefeiert werden. Die Rathenower waren glücklich.
3.3.3. Die Finanzierung des Turms
Als der Kirchturm von 1999 - 2002 wieder aufgebaut wurde, war vom damaligen Architekten errechnet worden, dass der Wiederaufbau ca. 1,25 Millionen Euro kosten würden. Die Stadt hatte der Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde als Bauherrin in einem Vertrag zugesichert, dass sie sich um alles kümmern werde. Weder dem Architekt noch dem zuständigen Mitarbeiter im Bauamt der Stadt war aufgefallen, dass der Kostenvoranschlag einen Zahlendreher enthielt, der die realistischen Baukosten um eine Million absenkte. Als man schon die Turmspitze aufgesetzt hatte, fiel dem Bauamt der Zahlendreher auf und die Kosten für den Wiederaufbau betrugen nun 2,5 Millionen €.
Aber es war zu spät, das Baugeschehen konnte nicht mehr aufgehalten werden. Viele Rathenower glaubten nicht an den Wiederaufbau des Turms und in der Tat war, nachdem der  Zahlendreher in der Kostenberechnung entdeckt wurde, der Wiederaufbau schwieriger geworden. Als dann im Dezember 2001 Handwerkerrechnungen für den Turm in Höhe von 160.000,00 DM aufgelaufen waren, rief der Bürgermeister Dr. Heinz-Walter Knackmuß zu sich und teilte ihm mit, dass er einen Baustopp verfügen müsse, weil die Handwerkerrechnungen nicht mehr bezahlt werden könnten. Dr. Heinz-Walter Knackmuß und die damalige Schatzmeisterin Gisela Rosenberg gingen daraufhin sofort zum Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Rathenow, Siegfried Mertin, und baten ihn um einen Kredit von 200.000,00 DM für den Förderkreis ohne Sicherheiten. Die Volksbank gewährte den Kredit umgehend und so konnten die Handwerkerrechnungen noch vor Weihnachten bezahlt werden und der Baustopp wurde ausgesetzt. Der Vorsitzende des Förderkreises Dr. Heinz-Walter Knackmuß schlief die ersten 14 Tage nach der Kreditaufnahme schlecht, aber er gewöhnte sich bald an die Schulden und ab 01.01.2002 kam mit der Einführung des Euro ein quasi „Halbierung“ der Kreditsumme, die jetzt nur noch 100.000,00 € betrug, was sich viel besser anhörte. Es war natürlich der gleiche Wert geblieben. So konnte dann am Wiederaufbau des Turms weiter gearbeitet werden.  Im März 2004, also nach zwei Jahren und vier Monaten, war der Kredit völlig getilgt. Deshalb war die zweite große Spendenaktion des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V., symbolisch Kupferplatten für den Wiederaufbau des Turms an spendenfreudige Rathenower auszugeben. Für 250,00 DM (125,00 €) erhielt der Spender eine nummerierte Urkunde mit der Bestätigung der Spende. Wenn der Spender damit einverstanden war, erfolgte auch eine Veröffentlichung in der Zeitung. Die Dachspitze des Turms wurde mit über 400 Kupferplatten eingedeckt. Zur Finanzierung wurden Sponsoren für die einzelnen Platten gewonnen. Dabei wurden 286 Kupferplatten symbolisch mit Urkunde vergeben, was eine Spendeneinnahme von 35.750,00 € entsprach. Außerdem wurden 22 Ehrenstifterplatten  als kleine Kupfertäfelchen für 500,00 € vergeben. Das machte einen Betrag von 11.000,00 €.  Es wurden Verhandlungen mit der Stadt und der Landesregierung geführt, um Fördermittel zu erhalten. Das Spendenaufkommen für den Förderkreis übertraf alle Erwartungen. Obwohl die Region von Arbeitslosigkeit gebeutelt wurde, wollten die Menschen die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, das Wahrzeichen ihrer Stadt, wieder haben.  Viele Menschen spendeten deshalb Kupferplatten. Bei Hochzeiten, Geburtstagen, Festen und Trauerfeiern wurde für den Wiederaufbau der Kirche gesammelt. Ein großer Förderer ist der Apotheker Wolfgang Schröder aus Wetter an der Ruhr. Am 05.05.2000 feierte er seinen 60. Geburtstag in der Ruhrfesthalle in Herdecke mit 110 geladenen Gästen. Ein großer Vorhang auf der Bühne zeigte die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, die auch auf das Motto des runden Geburtstags hinwies: Benefizgala zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Dabei kamen 13.500,00 DM (6.902,44 €) zusammen. Das war aber nicht die einzige Spende der Familie Schröder. Kupferplatten für 250,00 DM (125,00 €) und ein Gotische Madonna sowie den Heiligen Andreas für je 1800,00 € wurden dem Förderkreis geschenkt. Dazu noch drei Gemälde des Rathenower Malers Werner Stumpp (05.01.1957 -18.07.2001). Wolfgang Schröder schenkte auch an bedeutende Personen des Öffentlichen Lebens Ehrenstifterplatten im Werte von 1000,00 DM (ca.500,00 €) wie  den Ministerpräsidenten Dr. Manfred Stolpe, Charlotte Nitschke und Prof. Dr. Gottfried Kiesow, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der Förderkreis hat wie in Dresden durch Wolfgang Schröder, Stifterbriefe in Platin, Gold, Silber und Bronze sowie Kupferplatten, Bausteine, Orgelpfeifen, Dachsteine und Rautenfenster  als Urkunden für Spenden ausgegeben. Die Ehrenstifterplatte für Charlotte Nitschke, die von Wolfgang Schröder gespendet wurde, hat sich gelohnt, denn Charlotte Nitschke, Nachfahrin eine Rathenower Fernglasfabrik,  stiftete   50.000,00 € für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Bis zum 26.10.2001 hatte der Förderkreis insgesamt 561.532,10 DM (287.106,80 €) an Spenden gesammelt, die für verschiedene Zwecke des Wiederaufbaus benutzt wurden. Dr. Heinz-Walter Knackmuß hatte das Geläut der zwei neuen Bronzeglocken als Weihnachtskassette an alle Mitglieder des Förderkreises geschickt. Das Echo war überwältigend. Bis auf eine kritische Stimme, die die technische Perfektion der Kassette zurecht bemängelte, kam ein gewaltiger Spendenstrom zurück. Neben vielen Anrufen und Briefen gab es auch einen Schub an Neuaufnahmen von Mitgliedern im Förderkreis.
3.3.4 Grundsatzgespräch am 19.04.2002
Der Förderkreisvorsitzende, Dr. Heinz-Walter Knackmuß, führte mit dem geschäftsführenden Pfarrer, Andreas Buchholz, am 19. April 2002 ein Grundsatzgespräch. Es war dabei vollkommne Übereinstimmung in der Zielplanung des weiteren Wiederaufbaus erreicht worden. Die Sterngewölbe, die Orgel, sollen wieder hergestellt werden. Es ist auch Einigkeit darüber festgestellt worden, dass die Sanierung der Kirche noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird, dass man sich aber von dem Ziel nicht abbringen lassen wollte, auch wenn es vielleicht mehrere Generationen dazu brauchen werde.
3.3.5. Fernsehfilm über den Wiederaufbau des Turms (13.05.2005)
Dr. Heinz-Walter Knackmuß hatte an die damalige Rundfunkanstalt Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg  (ORB) geschrieben und darum gebeten, dass ein Fernsehfilm über den Wiederaufbau des Turms und der Kirche gedreht werde, denn der ORB hatte die spektakulären Ereignisse wie den Wiederaufbau der dreiteiligen Turmspitze mit einem Hubschrauber der Bundeswehr gefilmt und gesendet. Nach anfänglichem Zögern kam dann ein schöner Film zustande, der unter dem Titel „ Rathenow ganz oben“ am 13.05.2002 gesendet wurde.

 

 


 


Die Geschichte der Orgel

der Sankt-Marien-Andreas-Kirche

in Rathenow




Reich verzierter Rokoko-Prospekt

der Schuke-Orgel auf der Empore der Kirche vor 1945

Inwieweit der Bau der ersten Orgel für die Stadtkirche in die Geschichte zurückgeht, ist uns nicht bekannt. Sicher war vor 1764 schon ein Orgelwerk in Gebrauch. Mit Salomon Kleinert aus Brandenburg wollen wir aber die Geschichte der Orgel der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow ihren Anfang nehmen lassen.

1. Die Kleinert-Orgel

Der Orgelbauer Salomon Kleinert (1720 - 1796) hatte am 25.08. 1751 das Bürgerrecht in der Neustadt von Brandenburg an der Havel erworben. 1754 hat Salomon Kleinert einen Vertrag über den Orgelneubau in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow erhalten. 1756 wurde die Orgel kritisch begutachtet und erst 1764 endgültig vollendet (2). Sie muss kein gutes Werk gewesen sein, weil sie schon nach 14 Jahren erneuert werden musste.

2. Die Treutmann-Orgel

Christoph Treutmann der Ältere (ca.1673 -1757) aus Magdeburg hat berühmte Orgelwerke wie das von Sankt Eustachius und Agathe in Magdeburg-Diesdorf (1723), in der Sankt-Levin-Kirche in Harbke (1727/28) und das in der Stiftskirche Sankt Georg in Grauhof bei Goslar (1737) erbaut.  Sein Sohn Christoph Treutmann der Jüngere  hat von 1776 bis 1778 die Kleinert-Orgel in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow umfassend repariert. Die Einweihung dieser Orgel von Treutmann fand dann 1778 statt.  Alexander Schuke hat 1902 ein sehr genaues Verzeichnis dieser Orgel angelegt. Wie aus seinen  Aufzeichnungen hervorgeht, war ihm Treutmann als Erbauer dieser Orgel nicht bekannt. Wir können aber dank Schukes Schriften den Aufbau der Treutmann-Orgel sehr genau nachvollziehen. Die Orgel hatte zwei Manuale und ein Pedal. Schuke hat aber doch seine Kunst beim Aufbau und bei der Reparatur einfließen lassen, wie wir dem Gutachten Otto Dienels entnehmen können. Aus den Aufzeichnungen von Schuke geht folgender Aufbau der alten „neuen“ Orgel hervor.

I. Manual, verm. C, D - c´´´

1. Principal 8´ G - cs´´´ wieder verwendet

2. Bordun 16´ c - c´´´ wieder verwendet

3. Gemshorn 8´

4. Rohrflöte 8´ c - c´´´ im II. Manual wieder verwendet

5. Hohlflöte 8´ cs - cs´´´ wieder verwendet

6. Octave 4´ Cs, Ds - cs´´´ wieder verwendet

7. Spitzflöte 4´ Cs, Ds - cs´´´ wieder verwendet

8. Quinte 2 2/3´ Cs, Ds - cs´´´ wieder verwendet

9. Octave 2´ Cs, Ds - cs´´´ wieder verwendet

10. Sesquialter 3f  evtl. im neuen Cornett 3 f wieder verwendet

11. Mixtur 5f  wurde vermutlich in Mixtur I wieder verwendet

12. Trompete 8´

II. Manual, verm. C, D - c´´´

13. Principal 4´ evtl. Cs, Ds - cs´´´ in Octave 4´ wieder verwendet

14. Gedackt 8´ c - c´´´ in I´ wieder verwendet

15. Quintadena 8´ in Gedackt 16´ II versetzt c´- f´´´´ wieder verwendet

16. Salicional 8´ Fs - cs´´´ wieder verwendet

17. Gambe 8´

18. Fl. travers 8´ fs - cs´´´ wieder verwendet

19. Flöte 4´ vermutlich in Flöte dolce 4´ I C,D - c´´´ wieder verwendet

20. Nasat 2 2/3´ Cs, Ds - c´´´ wieder verwendet

21. Octave 2´ Cs, Ds - cs´´´ wieder verwendet

22. Quinte 1 1/3´

23. Mixtur 4f werden vermutlich in Mixtur II wieder verwendet

24. Hautbois 8´ Cs, Ds - cs´´´ wieder verwendet

Pedal, verm. C, D - d´

25. Principal 8´ Fs - d´ wieder verwendet

26. Violon 16´ Cs, Ds - d´ wieder verwendet

27. Subbaß 16´

28. Violon 8´

29. Quinte 5 1/3´ wird in Quinte 10 2/3´ wieder verwendet

30. Octave 4´ Cs, Ds - d´ wieder verwendet

31. Posaune 16´

Als Bemerkungen hat Schuke hinzugefügt:

Teilweise wurden die Register vermutlich um einen Halbton versetzt, daher geht das alte Pfeifenwerk manchmal bis cs´´´. Manualkoppel, Pedalkoppel, 3 Sperrventile, Cymbelstern, ca. 200 Jahre alt. Schaden durch Gasheizung, verschmutzt und stark klappernd.

3. Die Schuke-Orgel

1902 wurde diese Treutmann-Orgel von Alexander Schuke aus Potsdam umgebaut. Da die Treutmann-Orgel in sehr guter Qualität erbaut worden war, konnten viele Teile nach entsprechender Reinigung wieder verwendet werden.

Blick auf die Empore mit Schuke-Orgelwerk

Am 19.09.1901 wurde im Königlich Preußischen Steueramt Rathenow der Vertrag zwischen dem Gemeindekirchenrat zu Rathenow, vertreten durch die Herren Fr. Punger und E. Grüneberg, und dem Orgelbaumeister Herrn A. Schuke zu Potsdam geschlossen. Der Originalvertrag ist in feinster Sütterlinschrift verfasst und stellt für uns heutige Leser ein eigenes Kunstwerk dar. Der Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH in Werder danken wir für die Überlassung der Kopien des Vertrages (1).

Erstes Blatt des Vertrages mit Alexander Schuke

Die Umbaukosten wurden mit 7.550,00 Mark veranschlagt  und der Umbau sollte vom 01.06.1902 – 01.08.1902 stattfinden. Für eine nicht fristgemäße Fertigstellung des Umbaus wurde eine Konventionalstrafe von 50,00 Mark je Woche der späteren Fertigstellung vereinbart. Herr Schuke musste sich auch verpflichten, bei nicht fristgemäßer Fertigstellung der Orgel zur Begleitung des kirchlichen Gesangs eine kleine Orgel zur Verfügung zu stellen, für deren Transport und Aufstellung er verantwortlich war. Es wurden fünf Jahre Garantie verlangt und keine Nachforderungen abweichend vom Kostenvoranschlag zugelassen. Im § 5 des Vertrages heißt es: „Das zum Umbau der Orgel zu verwendende Holz muss gegen Zerstörung durch Wurmfraß mittelst Imprägnierung geschützt werden.“ Sollte Herr Schuke während der Bauzeit „mit dem Tode abgehen“, so war es dem Gemeindekirchenrat vorbehalten, den Vertrag als gelöst zu betrachten oder ihn mit seinen Erben fortzusetzen. Alexander Schuke musste sich auch verpflichten, die Auflagen eines unabhängigen Gutachters zu seinen Kosten zu erfüllen, wenn denn solche gemacht würden. Aber der königliche Musikdirektor und Organist an St. Marien zu Berlin, Otto Dienel, dem diese Aufgabe zufiel, schrieb am 15.12.1902 ein sehr umfangreiches Gutachten, dessen Quintessenz lautet: „Das volle Werk hat einen mächtigen Klang, der auch einer vollzähligen Festtagsgemeinde gewachsen ist. Wenngleich die gemischten Stimmen durch Erhöhung des Winddrucks schärfer geworden sind, so reagieren sie doch vortrefflich auf den achtfüßigen Grundton der Manuale. Sie treten keineswegs zu selbstständig auf, sondern geben dem Achtfußtone nur den wirksamen Mixturenglanz. Eine Anzahl wohlklingender Charakterstimmen gibt reiche Gelegenheit zur Abwechslung im Piano und Mezzoforte. Die Intonation ist künstlerisch gelungen. Auch aus alten Registern ist das gemacht worden, was zu machen möglich war. So hat Schuke seine im Anschlag übernommenen Verpflichtungen vollkommen erfüllt. Für seine Kunstarbeit gebührt ihm reicher Dank“ (1). Ob die Schuke-Orgel fristgemäß fertig gestellt wurde, ist nicht bekannt, aber eher wahrscheinlich. Jedenfalls hat die Orgel einen herrlichen Rokoko-Prospekt erhalten und tat ihren Dienst, bis sie in den letzten Kriegstagen und zwar in der Nacht vom 28.04. zum 29.04.1945 von Brandgranaten getroffen wurde und mit der Sankt-Marien-Andreas-Kirche völlig ausbrannte. Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche sammelt nun für eine neue Schuke-Orgel. Matthias Schuke und seine Firma sind heute in der Lage, Neobarocke Orgeln, Romantische Orgeln und Renaissanceorgeln zu bauen. Im Magdeburger Dom wurde von Matthias Schuke eine Orgel eingebaut, die sowohl einen neobarocken als auch einen romantischen Klang erzeugen kann. Die Renaissanceorgeln waren nicht für die Begleitung des Gemeindegesanges gedacht und wurden immer schon als reine Konzertorgeln gebaut. Die Schuke-Orgel kann aber erst nach Abschluss aller Bau- und Malerarbeiten gewissermaßen als Krönung des Wiederaufbaus eingebaut werden. Es müssen alle Kreuzgewölbe und die Empore fertig gestellt sein, ehe Schuke das Orgelprojekt beginnen kann. Solange muss die kleine elektronische Orgel die Gemeinde beim Gesang begleiten und für viele Konzerte in der Kirche dienen.

4. Die elektronische Übergangsorgel von 2006

Am Sonntag, den 30. April 2006 versammelte sich die Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde um 10:00 Uhr das erste Mal zum regulären Gottesdienst während der Landesgartenschau in Rathenow in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Jeden Sonntag sollte nun bis zum Ende der Landesgartenschau der Gottesdienst um 10:00 Uhr in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche stattfinden.

Kantorin Hanna Seefeld bei der Vorführung der neuen elektronischen Orgel am 30.04.2006

Außerdem war es ein Festgottesdienst mit Orgelweihe der neuen elektronischen Übergangsorgel, die die Gemeinde von der Firma Hoffrichter Orgel GmbH in Salzwedel für 6.750,00 € gekauft hat. Pfarrer Andreas Buchholz und seine Frau Magdalena hatten anlässlich ihrer Silberhochzeit statt Geschenke um eine Geldspende für diese Capella-Sakral-Orgel Modell 220 mit 40 Registern gebeten. Dabei waren 3.000,00 € zusammen gekommen. Karl und Luise Freitag hatten dann zu ihrer Goldenen Hochzeit ebenso um Spenden für die Übergangsorgel gebeten. Hier waren 900,00 € an Spenden für die Orgel an die Kirchengemeinde geflossen. Es haben auch viele andere für die Orgel gespendet. So konnte die Kreiskantorin Hanna Seefeld zum Beginn des Gottesdienstes alle Besucher mit dem Präludium in C-Dur von Felix-Mendelssohn-Bartholdy begrüßen. Die Gottesdienstbesucher waren sich einig: Die Orgel klingt großartig. Mit Variationen über das Kirchenlied „Lobe den Herren…“ konnte Hanna Seefeld das Klangbild der Orgel für die Besucher in vielen Fassetten darstellen. Pfarrer Andreas Buchholz ging bei seiner Festpredigt auf das Alte Testament ein, wo der erste König Israels, Saul, an einem „Überforderungssyndrom“ (neudeutsch „Burnout-Syndrom“) litt, wie es bei Samuel 1 im 16. Kapitel heißt. Nichts konnte ihm richtig helfen, aber die Ärzte kannten schon damals die heilende Wirkung der Musiktherapie. Und so wurde der kleine Hirtenjunge David an den königlichen Hof zitiert, weil er der beste Harfenspieler war und die Musik dem König Saul gut tat. Immer, wenn der Hirtenjunge David zur Harfe griff, wurde es dem König Saul leichter ums Herz und der böse Geist verließ ihn.

Den Abschluss des Gottesdienstes bildete ein Grave von Johann Sebastian Bach. Nach dem Ende des Festgottesdienstes erklärte die Kreiskantorin Hanna Seefeld die Funktion der Orgel und zeigte noch einmal an Klangbeispielen die große Bandbreite des Klangvolumens. Das ganze Kirchenschiff wurde von dem vollen Klang  der Orgel erfüllt.

Ehe die große Schuke-Orgel eingebaut werden kann, wird diese kleine Hoffrichterorgel wohl noch gute Dienste leisten. Sie kam zur rechten Zeit, denn die Landesgartenschau 2006 brachte eine Vielzahl von Konzerten mit sich. Alle Rathenower und die Gäste der Stadt können sich an der Übergangsorgel erfreuen und hoffen, dass sie laut und leise zum Lobe Gottes in dieser Stadt erklingen wird, bis sie einst von der großen Schuke-Orgel übertönt wird.

Wir danken Hans-Martin Ermisch für die fachliche Beratung.

Quellen:

1. Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH-Archiv, Werder an der Havel

2. Dr. Uwe Czubatynski/Domstiftsarchiv Brandenburg zitiert aus dem Nachlass Dr. Rudolf Guthjahr



Die barocke Kanzel in der

Sankt-Marien-Andreas-Kirche

in Rathenow

Blick auf die Kanzel

Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche hatte seit 1709 eine barocke Kanzel, die von Johann Vorberg geschnitzt worden war. Johann Vorberg kam aus Reval (Livland). Reval ist der deutsche Name für die heutige estnische Hauptstadt Tallin. Er lebte aber schon längere Zeit in der Altmark. Er hatte die Kanzeln in der Kirche in Kalbe/Milde und in der Kirche in Neuendorf am Damm (1694) geschnitzt und erwarb am 10.08.1696 Stadtrechte in Stendal. Er schloss 1697 die Ehe mit Maria Ahrens in Stendal in der St. Marienkirche. 1709 schnitzte er im Barockstil die Kanzel der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Sie soll eine Kopie der Kanzel in der Kirche von Neuendorf am Damm gewesen sein.

1. Neuendorf am Damm

In Neuendorf am Damm ist von der ganzen Kanzel nur noch der Kanzelträger Mose und der Kanzelkorb erhalten. Es ist ein grobe Schnitzarbeit. Mose trägt die Gesetzestafeln an der linken Körperseite. Die zehn Gebote werden mit römischen Ziffern auf den zwei Tafeln dargestellt, wobei für das vierte Gebot nur vier Striche genommen werden. Die farbige Bemalung der Holzfigur und der Kanzel geben uns aber eine Vorstellung von der lebendigen Wirkung der ebenso bunt bemalten Kanzel in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, denn die Kanzel in Parey an der Elbe weist diese Farbenvielfalt nicht auf.


Mose als Kanzelträger

Rest der Kanzel in Neuendorf am Damm

2. Parey

Als im Jahre 1700 der Schulmeister Bartholomäus Voigt in Parey an der Elbe eintraf, fand er eine am 15.10.1699 neu eingeweihte Steinkirche vor, die die alte Holzkirche abgelöst hatte. Da auch das Innere der Pareyer Kirche ausgestaltet werden musste, beauftragte man den Bildhauer Johann Vorberg mit der Herstellung des Altars und der Kanzel. Die ostelbischen Dörfer wurden damals von den Gutsherren beherrscht, die auch meist die Patrone und Geldgeber für die Kirchenbauten waren. Zur Dorfhierarchie gehörten neben dem Gutsherrn, der Pfarrer, der Schulmeister  und die größten Bauern. In Parey befanden sich damals zwei Rittergüter. Das Rittergut I gehörte dem Freiherrn von Plotho und das Rittergut II dem Kammerherrn von Plotho. Natürlich gehörte die Kanzel und der Altar zu den Aufgaben, die Johann Vorberg auszuführen hatte.

Die überreich mit Schnitzwerk versehene Kanzel zeigt die große künstlerische Fertigkeit des Johann Vorberg. Mose ist nicht so prächtig ausgeführt wie in den Kanzeldarstellungen in Neuendorf oder in Rathenow. Die Farbigkeit der beiden Kanzeln hat hier einer schlichten Beize in Braun weichen müssen. Der schlanke Körper des Mose kann kaum die Last des Kanzelkorbes tragen. Auch sind die 10 Gebote wörtlich zitiert und nicht wie in den andern beiden Kanzeln nur in römischen Ziffern dargestellt. In Parey an der Elbe werden die Gesetzestafeln rechts vor dem Körper gehalten.

Mose mit den 10 Geboten als Kanzelträger

in der Kirche Parey an der Elbe

Geht man davon aus, dass der Altar und die Kanzel um 1700 entstanden sind, so ist eine deutliche Verfeinerung des Schnitzwerkes im Vergleich zu der in Neuendorf am Damm 1694 entstandenen Kunstwerkes festzustellen. Das Gewand des Mose ist viel eleganter dargestellt. Ein Stab ist neu hinzugekommen. Inwieweit in Neuendorf am Damm viele Dinge der ursprünglichen Kanzel auch so vorhanden waren, kann nicht mehr eruiert werden, weil bis auf Mose als Kanzelträger nichts mehr vorhanden ist. Noch feiner ist dann die Kopie der Neuendorfer Kanzel für Rathenow ausgefallen, sodass hier eine Entwicklung des Künstlers zu sehen ist, die zeigt, dass sein Können doch kleinen Änderungen unterlegen war.

Der Kanzelkorb in der Pareyer Kirche

3. Rathenow

Die barocke Kanzel von Johann Vorberg soll eine Kopie der Kanzel in der Kirche in Neuendorf am Damm gewesen sein. Wie man aber an den Fotos deutlich erkennen kann, ist sie doch etwas anders gearbeitet. Es scheint, als hätte Johann Vorberg  hier eine gereifte Meisterschaft an den Tag gelegt, die bei der Neuendorfer Kanzel noch nicht so deutlich zu erkennen war. 1694 wurde die Kanzel in Neuendorf am Damm geschaffen, 1700 die Kanzel in Parey und 1709 die Kanzel in Rathenow. 15 Jahre später hat der Johann Vorberg doch eine andere Auffassung bei der Behandlung der gleichen Thematik gehabt. Die Figuren sind viel feiner und eleganter geschnitzt. Das ist auch schon in Parey zu erkennen und erreicht in Rathenow den Höhepunkt der Darstellung. Die Gesetzestafeln werden wie in Parey rechts vom Körper gehalten, aber nicht wie in Parey mit dem Text der Tafeln, sondern es findet sich nur die symbolische Darstellung in lateinischen Ziffern. Hier wird aber das vierte Gebot nicht mehr mit vier Strichen sondern nach dem üblichen lateinischen Modus fünf minus eins dargestellt. Auch hier ist eine Veränderung deutlich. Die Rathenower Kanzel war viel größer als sonst üblich. Neben Mose als Kanzelträger gibt es noch eine umkränzte Säule, die praktisch einen zweiten Kanzelkorb trägt. Mose ist sehr fein dargestellt. Die Falten seines Umhangs sind sehr sorgfältig gearbeitet. Das schwarze Haar und der schwarze Bart zeigen einen energischen jungen Mann, der von der Ernsthaftigkeit seines Tuns tief geprägt ist. Es war ja auch eine Lebensaufgabe für ihn, das Volk Israel gegen den Willen des Pharaos zu befreien und durch die vierzigjährige Wüstenwanderung nach Israel zu führen. Auch musste er wie Thomas Mann schreibt aus einem „ Pöbelvolk“ das Volk Gottes machen. Da er wie ein Prinz am Hofe des Pharaos erzogen worden war, hatte er natürlich alle Hochschulen des Landes Ägypten besucht und war dem einfachen Volk, was Bildung und Kultur anbetraf, um ein vielfaches überlegen. Selbstverständlich hatte er von den Arztpriestern auch hygienische Vorschriften gelernt, die dem einfachen Volk fremd waren. All dieses Wissen versuchte er nun dem Volk Israel zu vermitteln. Ein schweres Unterfangen, denn natürlich verrichten sie ihre Notdurft, dort wo sie waren, natürlich aßen sie alles Fleisch, natürlich war ihnen der geschwisterliche Beischlaf bekannt. Und nun kam Mose und forderte bei Strafe, ihre Notdurft außerhalb des Lagers zu verrichten und dazu auch noch ein Schäufelchen zu benutzen, dass alles verscharrt werden konnte. Sie durften keine bestimmten Tiere mehr essen, sie durften nicht mehr mit Geschwistern die Ehe schließen.  Alles war neu für sie und Mose scheute sich auch nicht, seine neuen Verordnungen mit Gewalt durchzusetzen.

Mose als Kanzelträger in Rathenow

Es bedurfte einer strengen Hand, um dieses Volk zu erziehen. Und die Rückschläge blieben ja auch nicht aus, wie die Bibel uns berichtet. Ein rastloser Mann, den Johann Vorberg hier mit den Gesetzestafeln geschnitzt hat und der das Fundament des jüdischen-christlichen Glaubens schafft und der auch im Islam verehrt wird. Also drei große Weltreligionen, die heute noch die Worte des Mose studieren.

Barocke Kanzel mit der umkränzten Säule

Auf dem oberen Foto ist deutlich die Zweiteilung der Kanzel zu erkennen, die offenbar nur in Rathenow so errichtet wurde. Das Schnitzwerk und die Verzierungen haben hier einen Höhepunkt in Vorbergs Schaffen erreicht. Es gibt leider kaum farbige Aufnahmen oder Gemälde von der Rathenower Kanzel. Die einzig mir bekannte handkolorierte Ansichtskarte aus der Sammlung Dr. Hans-Hermann Schultze in Rathenow ist doch ziemlich ungenau, was die Einzelheiten anbetrifft.

Die  Kanzel und die Apostel waren in den Farben weiß, hellblau und gold bemalt worden.

Aufgang zur barocken Kanzel mit den Aposteln

Die zwölf Apostel, die den Aufgang zieren und rund um den Kanzelkorb angebracht sind, stehen auf einem Podest, das den Namen des entsprechenden Apostels vermerkt. Jeder Apostel steht in einer halbrunden Nische und hat die Insignien bei sich, die ihn als solchen kenntlich machen.

Die 12 Apostel der  barocken Kanzel

Kanzelaufgang (von unten)

1. Heiliger Bartholomäus  (rechte Hand Schindermesse, linke Hand Buch)

2. Heiliger Matthäus (rechte Hand mit Schreibfeder, linke Hand ein aufgeschlagenes Buch)

3. Heiliger Lucas  (rechte Hand aufgeschlagenes Buch, linke Hand umfasst einen Griff mit Tierfigur) Name am Podest zu lesen S. Lucas

4. Heiliger Petrus (rechte Hand mit Buch, linke Hand mit Himmelsschlüssel) Name am Podest zu lesen S. Petrus

Säulenkorb (von links)

1. Heiliger Andreas mit Andreaskreuz

2. Heiliger Judas Thaddäus (rechte Hand ein Buch, linke Hand eine Lanze) Name am Podest zu lesen S. Judas

3. Heilige Simon (rechte Hand ein Buch und linke Hand eine Säge) Name am Podest zu lesen S. Simon

Mosekorb (von links)

1. Heiliger Thomas (rechte Hand zeigt leer nach oben, linke Hand mit Buch) Name am Podest  zu lesen S. Thomas

2. Heiliger Jakobus der Ältere mit Schwert (Maurentöter) Das Schwert fehlt  auf manchen Fotos.

3. Heiliger Johannes (Rechte Hand mit Buch, linke Hand mit Kelch) Name am Podest zu lesen S. Johannes

4. Heiliger Philippus Rechte Hand mit Buch , linke Hand  mit Axt) Name am Podest zu lesen S. Philippus

5. Heiliger Jakobus der Jüngere  (in der rechten Hand ein Buch, linke Hand eventuell Tuchwalkerstange) Keine Symbole auf den Fotos exakt zu erkennen.

Wladimir Nasarowitsch Jegorow

In der Nacht vom 28. zum 29.04.1945 wurde die Sankt-Marien-Andreas-Kirche von der Sowjetarmee unter Führung des Leningrader Hauptmanns Wladimir Nasarowitsch Jegorow mit Brandgranaten beschossen und brannte völlig aus. Das einstürzende Dach begrub auch dieses einmalige Kunstwerk. Jegorow wohnte nach dem Ende des  Krieges 1945 in Rathenow. Seine zweite Tochter ist in Rathenow geboren.

1996 hat sich ein Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. gebildet, dessen Hauptaufgabe es ist, den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche zu betreiben. Dem Förderkreis ist es gelungen, mit Spenden die Fenster im Chorraum der Kirche als Kunstwerke neu zu finanzieren, 2002 den Turm wieder aufzubauen und 2010 die Kreuzgewölbe im Mittelschiff neu aufzubauen sowie das marode Dach des Mittelschiffes neu zu decken. 2011 wurden die Kreuzgewölbe in der Marienkapelle neu errichtet und die Fenster im Kirchenschiff mit 5 mm dickem Goetheglas in Rautenform  neu verglast sowie das Dach der Andreaskapelle saniert und ein neues Templerkreuz von Rolf Eißer auf die Spitze gesetzt. In einer Vereinbarung mit der Sankt-Marien Andreas-Gemeinde hat der Förderkreis ein Positionspapier verabschiedet, dass die Kirche so aufgebaut werden soll, wie sie vor der Zerstörung im Jahr 1945 gewesen ist. Das bedeutet auch den Wiederaufbau der Kanzel nach den Vorlagen von Johann Vorberg.  Das einmalige Kunstwerk der Barocken Kanzel ist auch ein Zeichen des Pietismus im Protestantismus und beschreibt damit einen wesentlichen Abschnitt der Kulturgeschichte in der evangelischen Kirche in Brandenburg. Sie wäre von unschätzbarem Wert. Die Nachschnitzung ist allerdings sehr teuer. Eine Kostenschätzung vom 14.09.2018 der Tischlerei Spatzier GmbH in Wiesenburg (Mark) ergab eine Kostenvolumen von 1.090.613,24 €. Bis dahin haben erst einmal andere Aufgaben Priorität, aber es soll diese Option nicht außer Acht gelassen werden. Allen Spendern, die am Aufbau der Kirche zum Lobe Gottes bisher beteiligt waren, sei herzlich für ihr Engagement gedankt. Das Wahrzeichen der Stadt Rathenow, die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, hat alle Kräfte der Stadt zusammengeführt und ohne diese Hilfe und Gottes Segen, ist diese riesige Aufgabe nicht zu schaffen.  

Wir danken  

Christiane Wagner,  Parey an der Elbe,   

Rolf Sobel, Neuendorf am Damm,  

Dieter Seeger,  Rathenow ,

Sebastian Haase, Berlin

für die freundliche Unterstützung der Arbeit.

Sebastian Haase hatte uns 2014 Fotos von seinem Großvater Karl-Heinz Maess vom Fotografen Hermann Ventzke überlassen, die eine Zuordnung der einzelnen Apostel im Treppenaufgang und um die beiden Kanzelkörbe ermöglichten.

Literatur: Gerhard Voigt: Das Schulmeistergeschlecht Voigt in der früheren Provinz Sachsen im Elb-Havel-Winkel 1700-1860, Bremen, Selbstverlag des Verfassers, 1991







Die Geschichte des Turms
der Sankt-Marien-Andreas-Kirche
in Rathenow
Das Wahrzeichen der Stadt Rathenow ist die Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Was wäre eine Kirche ohne ihren Turm, der von allen vier Himmelsrichtungen gut zu erkennen ist und den Menschen die nahe Heimat kündet. Diese Geschichte des Turms soll hier, so gut es geht nachgezeichnet werden. Die älteste Ansicht von der Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist auf dem Epitaph (Totengedenktafel) des Stadtschreibers Nesen  von 1571 zu sehen. Die Kirche hatte eine völlige andere Form.
Älteste Stadtansiche von Rathenow von 1571
1604 wurde vermutlich die Turmhaube erneuert. Die Turmhöhe betrug 38,92 m (124 Fuß).
1709 wurde mit dem Dachstuhl der Kirche auch die Turmspitze wegen Baufälligkeit abgetragen und so belassen. 1727 wurde der Turm teilweise abgetragen und höher wieder aufgebaut. Die Gesamthöhe des Turms betrug 56,49 m (180 Fuß).   1816 hatte der Turm wieder einen Umbau nötig. Bald zeigte der Turm der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erneut starke Risse, die trotz Verankerung von 1816 nicht zu beheben waren.
2. Neugotischer Turm  von Carl Wilhelm Redtel                                                (*1824- †1828)
Stadtbaurat Perl sollte deshalb 1821 den Turm vermessen und alles für einen Neubau vorbereiten. Der berühmte Baumeister Friedrich Schinkel wurde mit einem Entwurf beauftragt. Friedrich Schinkel lieferte den Entwurf einer ganz neuen Kirche mit dazu passendem Turm, der aber nicht die Zustimmung des Magistrats fand.
Schinkels Entwurf für die
Sankt-Marien-Andreas-Kirche
Schinkel war tief enttäuscht.  Statt dessen wurde der Entwurf des Regierungsrates Carl Wilhelm Redtel genommen und bis 1828 fertig gestellt. Baurat Carl Wilhelm Redtel, der einen neugotischen Entwurf des Turms eingereicht hatte, war ein Schüler von Friedrich Schinkel. Schinkels Verärgerung kann man gut verstehen, denn man hatte einem Schüler von ihm den Vorzug gegeben. 1824 wurde mit dem Bau begonnen und 1828 war der neue Turm in seiner zum Schiff passenden Gestalt aufgebaut. An der Nordseite des Turms stand am Fuß eine Inschrift: Fischer MDCCCXXIII. Die lateinische Zahl bedeutet 1823.
Als das vergoldete Kreuz über der Kugel auf der Kirchturmspitze fertig war, stellte sich der Rathenower Maurermeister auf das Kreuz und breitete die Arme aus.  Die alte Mutter, die wie gewöhnlich morgens einen Blick auf den Kirchturm richtete, sah ihren Sohn auf dem Kreuz stehen, erlitt einen Schock und war mehrere Wochen krank..
Neugotischer Turm nach
Entwürfen von
Carl Wilhelm Redtel
Bis zur Zerstörung der  Kirche im Jahr 1945 blieb dieser neugotische Turm mit den Fialen, die ihn nochschlanker machten weithin sichtbar das Wahrzeichen der Stadt Rathenow.
3. Der Wiederaufbau des Turms 1999 – 2002
Erst nach der Einheit Deutschlands  im Jahr 1990 war überhaupt daran zu denken, den Turm wieder aufzubauen. 1995 hieß es noch in einer Rathenower Zeitung, der Turm und die Kreuzgewölbe der Sankt-Marien-Andreas-Kirche würden nie wieder aufgebaut.
3.1. Ruine nach der Zerstörung 1945
Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt Rathenow und ihr Turm begrüßt die Besucher der Stadt, aus welcher Himmelsrichtung sie auch immer anreisen. Die Rathenower freuen sich, wenn sie den Turm wiedersehen, denn er bedeutet ein Stück Heimat für sie. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm von Brandgranaten getroffen. In der Brandnacht am 28. zum 29.04.1945 wurde auch der Turm völlig zerstört. Es blieb nur noch eine Ruine stehen.
Turmruine 1945
3.2. Abtragung des Obergeschosses des Turmes 1972
1972 musste der Turmhelm wegen Baufälligkeit abgetragen werden. 1990 bot sich noch ein Bild des Jammers. Aus dem Chorraum wuchsen Bäume und das notdürftig gedeckte Kirchendach war undicht und Regen und Nässe hatten schon die Balken im Nordteil des Schiffes zerstört. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Kirche in sich zusammen fallen würde.
Sankt-Marien-Andreas-Kirche
1990
Bis 2002 war die Turmruine  35 m hoch. Die Kirchengemeinde hatte auf dem Turmstumpf eine Aussichtsplattform eingerichtet und die Besucher konnten den Turm besteigen.
Turmtorso seit 1972
Die Turmspitze hatte vor der Zerstörung eine Höhe von 79 m.
3.3. Der Wiederaufbau des Turms 1999 - 2002
Der Wiederaufbau des Turms kostet ca. 2,5 Millionen € wurde von 1999 bis 2002 durchgeführt. Die ganze Bevölkerung war daran beteiligt, ob evangelisch, katholisch, atheistisch oder kirchenfern.
3.3.1. Grundsteinlegung am 28.05.2000
Am 28.05.2000 fand in Gegenwart des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe, die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau des Turms statt. Der Ministerpräsident Dr. Stolpe, der Bürgermeister der Stadt Rathenow, Hans-Jürgen Lünser, der geschäftsführende Pfarrer, Andreas Buchholz und der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V., Dr. Heinz-Walter Knackmuß, legten die Hände über den Grundstein und  Dr. Knackmuß sprach die Worte aus Amos 9,11: „Zur selbigen Zeit will ich die zerfallne Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Lücken verzäunen und was abgebrochen ist, wieder aufrichten, und will sie bauen, wie sie vor Zeiten gewesen ist“.
Grundsteinlegung 28.05.2000
(von links: Dr. Heinz-Walter Knackmuß, Bürgermeister Hans-Jürgen Lünser, Ministerpräsident Dr. Manfred Stolpe, Pfarrer Andreas Buchholz)
3.3.2. Das Aufbringen der Kirchturmspitze
Der Aufbau des Turms erfolgte gleichzeitig an zwei Orten. Am Turm selbst wurde das 1972 abgerissene Stockwerk wieder aufgemauert und auf dem Sportplatz am Schwedendamm erfolgte die Montage der drei Teile der Spitze.
(von links: Peter Kurth, Renate Assmann, Rolf-Eberhard Meier, Günter Holweger, Dr. Karin Gebert und Christine Holweger auf dem neu aufgemauerten Teil des Turmes)
Nach der Fertigstellung Kupferkollosse waren sie das Ziel eines unendlichen Pilgerstroms von Rathenowern, die die Spitze aus der Nähe betrachten wollten. Sie nahmen sie buchstäblich mit Augen und Händen in Besitz.
Turmspitze, Turmbasis und Turmmittelstück
vormontiert auf dem Sportplatz „Schwedendamm“
3.3.2.1 Das Basisteil von 5,8 t wird am 28.08.2001 aufgesetzt
Am 28. August 2001 wurde das Basisteil des Helms durch einen Hubschrauber nach drei gescheiterten Versuchen auf den Turm abgesetzt. Hunderte von Schaulustigen hatten sich in der ganzen Stadt versammelt, um das Schauspiel zu verfolgen. Als der Hubschrauber dreimal wegen Sturm und Regen scheiterte und alle das 5,8 t schwere Stück über ihren Köpfen schweben sahen, erfasste die meisten Menschen eine Schauer. Es war spannend wie ein Kriminalfilm. Um 16:45 Uhr war dann alles geschafft. Der erste Teil des Helms befand sich auf dem Turm.
28.08.2001
Hubschrauber der Bundeswehr setzt das
Basisteil (5,8 t) der Turmspitze auf
3.3.2.2. Mittelteil der Turmspitze von 4,8 t wird 04.09.2001 aufgesetzt
Wenn der Hubschrauber der Bundeswehr über dem Kirchberg schwebte, war Volksfeststimmung in Rathenow. Groß und Klein wollten diesen wichtigen Teil des Wiederaufbaus des Wahrzeichens der Stadt Rathenow nicht verpassen. Mit Kameras und Ferngläsern verfolgte man das grandiose Schauspiel. Tüchtige Straßenhändler boten Bratwurst und Bier rund um den Kirchberg an. Die besten Fensterplätze um die Kirche waren schon tagelang vorher ausgebucht. Am 04.09.2001 konnte der Hubschrauber das Mittelstück der Turmspitze vom Sportplatz am Schwedendamm aufnehmen und auf den Kirchturm bringen. Es wog 4,8 t.
Hubschrauber setzt das
Mittelstück der Turmspitze 84,8 t) auf
04.09.2001
3.3.2.3. Die Spitze des Turms mit 2,5 t wird am 17.09.2001 aufgesetzt
Das oberste Teil der Spitze wog 2,5 t und war der schwierigste Part für die Hubschraubercrew, denn der pilot flog blind und musste sich bei der Steuerung der schweren Teile auf seine zwei Copiloten verlassen. Bei der Spitze mit vergoldetem Kreuz und vergoldeter Kugel wollte und wollte das Aufliegen nicht gelingen, der es warein Kaiserstil in eine Öffnung des Mittelteils einzufädeln. Erst als man den Piloten mit einem hochgefahrenen Kran eine Oreintierungshilfe gab, gelang das Aufsetzen in weinigen Minuten. Am 17.09.2001 war dann die Spitze aufgesetzt und die wichtigsten Bauarbeiten geschafft. Das vergoldete Kreuz ist 2,80 m hoch und 1,60 m breit. Der Durchmesser der Kugel beträgt 1,40 m. Insgesamt wurden 185 g Gold bei der Vergoldung aufgetragen. Auf der Spitze steht wieder eine vergoldete Kugel (Knauf) und das vergoldete Kreuz. In die Kugel wurden die Satzung und ein Mitgliederverzeichnis des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche  in Rathenow e.V. sowie eine Silber- und Goldmünze gegeben. Die Münzen hat der Förderkreis prägen lassen. Sie zeigen auf der Vorderseite die Sankt-Marien-Andreas-Kirche und auf der Rückseite den Begründer der optischen Industrie in Rathenow, den Pfarrer Johann Heinrich August Duncker.  Die Kupferplattengröße der Turmspitze reicht von 0,4-1 m Quadratmetern. Das Kupfer wird durch die Oxidation mit der schwachen Kohlensäure aus dem Regen im Laufe der Jahre einen grünlichen Farbton bekommen - die so genannte Patina. Chemisch ist das Kupferkarbonat, teilweise auch Kupfersulfat, und wird frühestens nach 10 Jahren sichtbar. Es ist ungiftig. Meine Großmutter, Agnes Knackmuß, die noch die Zeit des Kupfergeschirrs und der Kupferkessel kannte, warnte uns Kinder immer vor dem giftigen Grünspan. Der bildet sich, wenn Kupfer mit Essig reagiert. Das giftige Kupferazetat war sehr gefürchtet, weil man den Essig nicht nur zum Würzen der Speisen benutzte, sondern auch als Universalreinigungsmittel.
Aufsetzen der Spitze (2,5 t)
17.09.2001
Die Aussichtplattform ist 51 m hoch. Die Turmspitze erreicht eine Höhe von 75,40 m.
Die Fertigstellung des Turms konnte aber erst 2002 gefeiert werden, weil die einzig erhaltenen Türkenglocke am 18.10.2001 nach Nördlingen in Bayern zur Reparatur gegeben werden musste und erst im Frühjahr 2002 zurückkam. Damit war der Wiederaufbau des Turms 57 Jahre nach seiner Zerstörung vollendet. Am 29.06.2002 konnte dann mit der reparierten Türkenglocke von 1400 in einem Festgottesdienst der Turm als wieder aufgebaut gefeiert werden. Die Rathenower waren glücklich.
3.3.3. Die Finanzierung des Turms
Als der Kirchturm von 1999 - 2002 wieder aufgebaut wurde, war vom damaligen Architekten errechnet worden, dass der Wiederaufbau ca. 1,25 Millionen Euro kosten würden. Die Stadt hatte der Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde als Bauherrin in einem Vertrag zugesichert, dass sie sich um alles kümmern werde. Weder dem Architekt noch dem zuständigen Mitarbeiter im Bauamt der Stadt war aufgefallen, dass der Kostenvoranschlag einen Zahlendreher enthielt, der die realistischen Baukosten um eine Million absenkte. Als man schon die Turmspitze aufgesetzt hatte, fiel dem Bauamt der Zahlendreher auf und die Kosten für den Wiederaufbau betrugen nun 2,5 Millionen €.
Aber es war zu spät, das Baugeschehen konnte nicht mehr aufgehalten werden. Viele Rathenower glaubten nicht an den Wiederaufbau des Turms und in der Tat war, nachdem der  Zahlendreher in der Kostenberechnung entdeckt wurde, der Wiederaufbau schwieriger geworden. Als dann im Dezember 2001 Handwerkerrechnungen für den Turm in Höhe von 160.000,00 DM aufgelaufen waren, rief der Bürgermeister Dr. Heinz-Walter Knackmuß zu sich und teilte ihm mit, dass er einen Baustopp verfügen müsse, weil die Handwerkerrechnungen nicht mehr bezahlt werden könnten. Dr. Heinz-Walter Knackmuß und die damalige Schatzmeisterin Gisela Rosenberg gingen daraufhin sofort zum Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Rathenow, Siegfried Mertin, und baten ihn um einen Kredit von 200.000,00 DM für den Förderkreis ohne Sicherheiten. Die Volksbank gewährte den Kredit umgehend und so konnten die Handwerkerrechnungen noch vor Weihnachten bezahlt werden und der Baustopp wurde ausgesetzt. Der Vorsitzende des Förderkreises Dr. Heinz-Walter Knackmuß schlief die ersten 14 Tage nach der Kreditaufnahme schlecht, aber er gewöhnte sich bald an die Schulden und ab 01.01.2002 kam mit der Einführung des Euro ein quasi „Halbierung“ der Kreditsumme, die jetzt nur noch 100.000,00 € betrug, was sich viel besser anhörte. Es war natürlich der gleiche Wert geblieben. So konnte dann am Wiederaufbau des Turms weiter gearbeitet werden.  Im März 2004, also nach zwei Jahren und vier Monaten, war der Kredit völlig getilgt. Deshalb war die zweite große Spendenaktion des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V., symbolisch Kupferplatten für den Wiederaufbau des Turms an spendenfreudige Rathenower auszugeben. Für 250,00 DM (125,00 €) erhielt der Spender eine nummerierte Urkunde mit der Bestätigung der Spende. Wenn der Spender damit einverstanden war, erfolgte auch eine Veröffentlichung in der Zeitung. Die Dachspitze des Turms wurde mit über 400 Kupferplatten eingedeckt. Zur Finanzierung wurden Sponsoren für die einzelnen Platten gewonnen. Dabei wurden 286 Kupferplatten symbolisch mit Urkunde vergeben, was eine Spendeneinnahme von 35.750,00 € entsprach. Außerdem wurden 22 Ehrenstifterplatten  als kleine Kupfertäfelchen für 500,00 € vergeben. Das machte einen Betrag von 11.000,00 €.  Es wurden Verhandlungen mit der Stadt und der Landesregierung geführt, um Fördermittel zu erhalten. Das Spendenaufkommen für den Förderkreis übertraf alle Erwartungen. Obwohl die Region von Arbeitslosigkeit gebeutelt wurde, wollten die Menschen die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, das Wahrzeichen ihrer Stadt, wieder haben.  Viele Menschen spendeten deshalb Kupferplatten. Bei Hochzeiten, Geburtstagen, Festen und Trauerfeiern wurde für den Wiederaufbau der Kirche gesammelt. Ein großer Förderer ist der Apotheker Wolfgang Schröder aus Wetter an der Ruhr. Am 05.05.2000 feierte er seinen 60. Geburtstag in der Ruhrfesthalle in Herdecke mit 110 geladenen Gästen. Ein großer Vorhang auf der Bühne zeigte die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, die auch auf das Motto des runden Geburtstags hinwies: Benefizgala zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Dabei kamen 13.500,00 DM (6.902,44 €) zusammen. Das war aber nicht die einzige Spende der Familie Schröder. Kupferplatten für 250,00 DM (125,00 €) und ein Gotische Madonna sowie den Heiligen Andreas für je 1800,00 € wurden dem Förderkreis geschenkt. Dazu noch drei Gemälde des Rathenower Malers Werner Stumpp (05.01.1957 -18.07.2001). Wolfgang Schröder schenkte auch an bedeutende Personen des Öffentlichen Lebens Ehrenstifterplatten im Werte von 1000,00 DM (ca.500,00 €) wie  den Ministerpräsidenten Dr. Manfred Stolpe, Charlotte Nitschke und Prof. Dr. Gottfried Kiesow, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der Förderkreis hat wie in Dresden durch Wolfgang Schröder, Stifterbriefe in Platin, Gold, Silber und Bronze sowie Kupferplatten, Bausteine, Orgelpfeifen, Dachsteine und Rautenfenster  als Urkunden für Spenden ausgegeben. Die Ehrenstifterplatte für Charlotte Nitschke, die von Wolfgang Schröder gespendet wurde, hat sich gelohnt, denn Charlotte Nitschke, Nachfahrin eine Rathenower Fernglasfabrik,  stiftete   50.000,00 € für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Bis zum 26.10.2001 hatte der Förderkreis insgesamt 561.532,10 DM (287.106,80 €) an Spenden gesammelt, die für verschiedene Zwecke des Wiederaufbaus benutzt wurden. Dr. Heinz-Walter Knackmuß hatte das Geläut der zwei neuen Bronzeglocken als Weihnachtskassette an alle Mitglieder des Förderkreises geschickt. Das Echo war überwältigend. Bis auf eine kritische Stimme, die die technische Perfektion der Kassette zurecht bemängelte, kam ein gewaltiger Spendenstrom zurück. Neben vielen Anrufen und Briefen gab es auch einen Schub an Neuaufnahmen von Mitgliedern im Förderkreis.
3.3.4 Grundsatzgespräch am 19.04.2002
Der Förderkreisvorsitzende, Dr. Heinz-Walter Knackmuß, führte mit dem geschäftsführenden Pfarrer, Andreas Buchholz, am 19. April 2002 ein Grundsatzgespräch. Es war dabei vollkommne Übereinstimmung in der Zielplanung des weiteren Wiederaufbaus erreicht worden. Die Sterngewölbe, die Orgel, sollen wieder hergestellt werden. Es ist auch Einigkeit darüber festgestellt worden, dass die Sanierung der Kirche noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird, dass man sich aber von dem Ziel nicht abbringen lassen wollte, auch wenn es vielleicht mehrere Generationen dazu brauchen werde.
3.3.5. Fernsehfilm über den Wiederaufbau des Turms (13.05.2005)
Dr. Heinz-Walter Knackmuß hatte an die damalige Rundfunkanstalt Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg  (ORB) geschrieben und darum gebeten, dass ein Fernsehfilm über den Wiederaufbau des Turms und der Kirche gedreht werde, denn der ORB hatte die spektakulären Ereignisse wie den Wiederaufbau der dreiteiligen Turmspitze mit einem Hubschrauber der Bundeswehr gefilmt und gesendet. Nach anfänglichem Zögern kam dann ein schöner Film zustande, der unter dem Titel „ Rathenow ganz oben“ am 13.05.2002 gesendet wurde.